

Von September 1942 bis zur Befreiung durch amerikanische
Truppen am 1. April 1945 war das Lager ausschließlich mit polnischen
Gefangenen belegt. Dort lebten zeitweise bis zu 2.296 Offiziere, 287 Unteroffiziere
und Mannschaften, die als Ordonnanzen dienten. Außerhalb des Offizierslagers
gab es ein Lager für russische Zwangsarbeiter.
Offiziere durften gemäß der Genfer Konvention
nicht zu Arbeiten herangezogen werden, daher hatten sie viel Zeit. Durch
das Engagement einiger Hochschullehrer unter ihnen entwickelte sich ein
hochstehendes Kulturleben mit Lageruniversität, Sinfonie- und Kammerorchester,
Chor und Theater. Sportliche, künstlerische sowie religiöse Aktivitäten
wurden gepflegt, National- und Regiments-Feiertage feierlich begangen.
Trotz dieser Möglichkeiten war das Oflag VI B Dössel
kein Paradies: jahrelange Gefangenschaft in einer reinen Männergesellschaft
führte zwangsläufig zu Problemen. Die Sorge um Familie und Freunde
stellte eine große psychische Belastung dar. Vor allem verschlechterte
sich die anfänglich ausreichende Versorgung zum Ende des Krieges drastisch.


Am 20. September 1943 flohen 47 Gefangene durch einen
Tunnel. 37 wurden gefaßt und im KZ Buchenwald hingerichtet. Am 27.
September 1944 schlug aufgrund einer Verwechslung mit dem Bahnhof Nörde
eine britische Bombe ein, die 90 Gefangene das Leben kostete. Die Opfer
wurden auf dem Dösseler Friedhof beigesetzt. Dort erinnern noch heute
Gräber von insgesamt 141 in der Gefangenschaft verstorbenen Polen
an das Lager.

Nach der Befreiung zogen in das Lager Dössel ehemalige Zwangsarbeiter mehrerer Nationalitäten ein. Die Dösseler Bevölkerung wurde von der britischen Besatzungsmacht zu Dienstleistungen herangezogen. Später wurden die Baracken zum großen Teil abgebrochen.
Das Gebäude der Lagerverwaltung und die benachbarten Baracken sind bis heute erhalten. Sie dienten als Durchgangslager für Ostflüchtlinge sowie als Kaserne der belgischen Streitkräfte und der Bundeswehr. Aus den Steinen der Baracken errichteten die Dösseler 1948 die heutige Bördehalle.
In Polen wurde nach dem Krieg die Erinnerung an das Oflag VI B von ehemaligen Lagerinsassen durch den "Klub der Dösseler" (Klub Doesselczykow) aufrechterhalten. Etliche Offiziere wurden nach ihrer Rückkehr bedeutende Personen des polnischen öffentlichen Lebens, deren wohl berühmteste der Außenminister (1956 - 68) Adam Rapacki war.
Im Jahr 1980, zum 35. Jahrestag der Befreiung des Lagers,
kehrten erstmals ehemalige Insassen zum Lagergelände und Friedhof
in Dössel zurück. Als Geschenk brachten sie ein mit einer Widmung
des Primas von Polen - Kardinal Wyszynski - versehenes Abbild der Schwarzen
Madonna von Tschenstochau mit.

Beim zweiten Besuch der Gäste im Jahre 1984 anläßlich
des 40. Jahrestages des Bombenabwurfs wurde am ehemaligen Eingang ein Betonblock
aus dem Lager mit der Inschrift: "Versöhnung - Frieden - Freiheit
1944 - 1984" als Gedenkstein enthüllt.

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