Aus der Geschichte des
Oflag VI B Dössel
Alliierte Luftaufnahme des Lagers von 1942;
Air Photo Library Keele University, England
 
Südwestlich des Dorfes plante die Wehrmacht 1939 einen Militärflughafen. Die bereits errichteten Bauarbeiterunterkünfte wurden ab September 1940 in ein Offiziersgefangenenlager (Oflag) VI B umgewandelt. Zunächst wurden dort Franzosen, später Briten untergebracht.
 
 
Gesamtansicht des Lagers Richtung Osten
 

Von September 1942 bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen am 1. April 1945 war das Lager ausschließlich mit polnischen Gefangenen belegt. Dort lebten zeitweise bis zu 2.296 Offiziere, 287 Unteroffiziere und Mannschaften, die als Ordonnanzen dienten. Außerhalb des Offizierslagers gab es ein Lager für russische Zwangsarbeiter.
Offiziere durften gemäß der Genfer Konvention nicht zu Arbeiten herangezogen werden, daher hatten sie viel Zeit. Durch das Engagement einiger Hochschullehrer unter ihnen entwickelte sich ein hochstehendes Kulturleben mit Lageruniversität, Sinfonie- und Kammerorchester, Chor und Theater. Sportliche, künstlerische sowie religiöse Aktivitäten wurden gepflegt, National- und Regiments-Feiertage feierlich begangen.
 

Trotz dieser Möglichkeiten war das Oflag VI B Dössel kein Paradies: jahrelange Gefangenschaft in einer reinen Männergesellschaft führte zwangsläufig zu Problemen. Die Sorge um Familie und Freunde stellte eine große psychische Belastung dar. Vor allem verschlechterte sich die anfänglich ausreichende Versorgung zum Ende des Krieges drastisch.
 
 

oben: Sportanlagen auf dem Lagergelände
 
unten: Ablösung der deutschen Wachsoldaten
 

Am 20. September 1943 flohen 47 Gefangene durch einen Tunnel. 37 wurden gefaßt und im KZ Buchenwald hingerichtet. Am 27. September 1944 schlug aufgrund einer Verwechslung mit dem Bahnhof Nörde eine britische Bombe ein, die 90 Gefangene das Leben kostete. Die Opfer wurden auf dem Dösseler Friedhof beigesetzt. Dort erinnern noch heute Gräber von insgesamt 141 in der Gefangenschaft verstorbenen Polen an das Lager.
 

Antreten der Gefangenen auf dem Appellplatz
 
 

Nach der Befreiung zogen in das Lager Dössel ehemalige Zwangsarbeiter mehrerer Nationalitäten ein. Die Dösseler Bevölkerung wurde von der britischen Besatzungsmacht zu Dienstleistungen herangezogen. Später wurden die Baracken zum großen Teil abgebrochen.

Das Gebäude der Lagerverwaltung und die benachbarten Baracken sind bis heute erhalten. Sie dienten als Durchgangslager für Ostflüchtlinge sowie als Kaserne der belgischen Streitkräfte und der Bundeswehr. Aus den Steinen der Baracken errichteten die Dösseler 1948 die heutige Bördehalle.

In Polen wurde nach dem Krieg die Erinnerung an das Oflag VI B von ehemaligen Lagerinsassen durch den "Klub der Dösseler" (Klub Doesselczykow) aufrechterhalten. Etliche Offiziere wurden nach ihrer Rückkehr bedeutende Personen des polnischen öffentlichen Lebens, deren wohl berühmteste der Außenminister (1956 - 68) Adam Rapacki war.

Im Jahr 1980, zum 35. Jahrestag der Befreiung des Lagers, kehrten erstmals ehemalige Insassen zum Lagergelände und Friedhof in Dössel zurück. Als Geschenk brachten sie ein mit einer Widmung des Primas von Polen - Kardinal Wyszynski - versehenes Abbild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau mit.
 

Gedenkfeier der ehemaligen Lagerinsassen
auf dem Friedhof 1980
 

Beim zweiten Besuch der Gäste im Jahre 1984 anläßlich des 40. Jahrestages des Bombenabwurfs wurde am ehemaligen Eingang ein Betonblock aus dem Lager mit der Inschrift: "Versöhnung - Frieden - Freiheit 1944 - 1984" als Gedenkstein enthüllt.
 
 

 
 

 
Schreiben Sie uns...
Zurück zur Hauptseite...
Hier kommen Sie immer zurück zur Ausgangsseite...